Luzern, 23. September 2026
Wie gelingt der Übergang vom Gymnasium an die Hochschule, und welche Rolle spielen die Sprachfächer dabei? Am Freitag, dem 4. September 2026, trafen sich Lehrpersonen der Zentralschweizer Gymnasien mit Dozierenden und Studierenden der Universität Zürich, um sich fachlich auszutauschen. Im Zentrum standen aktuelle Herausforderungen der sprachlichen Bildung sowie die Frage, wie Gymnasien und Universitäten den Übergang gemeinsam gestalten können.
Eröffnet wurde der Besuchstag an der Universität Zürich von Prof. Dr. Sandro Zanetti, Co-Studiendekan der Philosophischen Fakultät der Universität Zürich, und Marco Stössel, Rektor der Kantonsschule Beromünster. Bereits zum Auftakt wurde die zentrale Bedeutung der Sprache für Bildung und persönliche Entwicklung hervorgehoben. Als Sinnbild für den Übergang zwischen Gymnasium und Universität diente der Staffellauf: Es gehe nicht darum, Zuständigkeiten neu zu ordnen, sondern die «Stabübergabe» von der Sekundar- in die Tertiärstufe möglichst gut zu gestalten.
Dieser Gedanke zog sich wie ein roter Faden durch den Tag. Zwei Inputreferate zu Mehrsprachigkeit und zum Arbeiten mit KI sowie eine Präsentation der universitären Angebote für Schulen, Lehrpersonen, Schulklassen und Schüler:innen gaben Einblick in aktuelle Entwicklungen und Fragestellungen der Sprachfächer. Gleichzeitig lieferten sie wichtige Impulse für die anschließenden Fachgespräche.
Fachgespräche: Herausforderungen und Lösungsansätze
In fachgemischten Gruppen wurden die Themen vertieft diskutiert. Dabei rückte insbesondere die Frage in den Fokus, welchen Stellenwert junge Menschen den Sprachfächern mit Blick auf Studium, Beruf und persönliche Entwicklung beimessen. Die Diskussionen zeigten, wie wichtig es ist, den Bildungswert sprachlicher Kompetenzen sichtbar zu machen und zugleich neue Entwicklungen sowie gesellschaftliche Veränderungen in den Unterricht einzubeziehen.
Vier Themenfelder standen im Zentrum der Gespräche:
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Mehrsprachigkeit als Ressource für den Einzelsprachunterricht
Die sprachliche Vielfalt der Schweiz und die Lebenswelt der Schüler:innen bieten großes Potenzial für den Sprachunterricht. Diskutiert wurde, wie vorhandene Sprachkenntnisse stärker einbezogen und Verbindungen zwischen verschiedenen Sprachen bewusster für das Lernen genutzt werden können.
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Linguistik und Literaturwissenschaft am Gymnasium und an der Universität: Themen, Perspektiven, Erwartungen
Lesen und Verstehen, sprachliche Analyse, Grammatik und überzeugendes Argumentieren sind eng miteinander verbunden. Gerade im Zeitalter der KI gewinnen ein reflektierter Umgang mit Sprache und die Fähigkeit, eigene Gedanken präzise auszudrücken, zusätzlich an Bedeutung. Zugleich wurde die Kreativität, Inspiration und neue Perspektiven durch Literatur thematisiert.
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Von der Matura- zur Bachelorarbeit: Schriftliche Arbeiten in Sprachfächern in Zeiten von KI
Die zunehmende Nutzung von KI verändert auch das wissenschaftliche Schreiben. Im Zentrum stand die Frage, wie Schüler:innen und Studierende den Wert des eigenständigen Schreibens weiterhin als Denk- und Lernprozess erfahren können. Gleichzeitig wurde diskutiert, inwiefern sich Formen und Aufgabenstellungen schriftlicher Arbeiten angesichts der neuen technologischen Möglichkeiten weiterentwickeln müssen.
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Neue Zugänge zur Literatur: Digitale und multimediale Formate
Digitale und multimediale Formate eröffnen neue Möglichkeiten für die Auseinandersetzung mit Literatur. Diskutiert wurde, wie solche Zugänge gewinnbringend in den Unterricht integriert und mit aktuellen gesellschaftlichen und ethischen Fragestellungen verbunden werden können.
Im Anschluss an die fachgemischten Diskussionen kamen die Teilnehmenden in fachspezifischen Kleingruppen zusammen, um ausgewählte Fragestellungen weiter zu vertiefen.
Gemeinsame Erkenntnisse und Ausblick
Zum Abschluss wurden die Ergebnisse aus den Fachgesprächen im Plenum zusammengetragen. Dabei wurde die Bedeutung eines hohen gymnasialen Bildungsniveaus ebenso hervorgehoben wie die gemeinsame Verantwortung der Sprachfächer. Vor dem Hintergrund der starken Stellung des Englischen als internationale Verkehrssprache wurde zudem diskutiert, wie die Sprachfächer ihre gemeinsame Bedeutung für eine umfassende Bildung noch sichtbarer machen können.
Prof. Dr. Gabriele Siegert, Prorektorin Lehre und Studium der Universität Zürich, sowie Dr. Nicolas Disch, Rektor der Kantonsschule Kollegium Schwyz, schlossen den Dialogtag mit einem Dank an die Teilnehmenden und einem Blick nach vorn ab. Dabei wurde deutlich, wie wichtig der kontinuierliche Austausch zwischen Gymnasien und Universitäten ist, um gegenseitige Erwartungen besser zu verstehen und den Übergang zwischen Bildungsstufen gemeinsam weiterzuentwickeln.
Nach dem Austausch der geistes- und sozialwissenschaftlichen Fächer im Schuljahr 2025/26 und dem ersten Dialog zu den Sprachfächern folgt im Frühling 2027 die zweite Austauschrunde der Sprachfächer. Damit wird der Dialog zwischen den Zentralschweizer Gymnasien und den Hochschulen fortgesetzt und weiter vertieft.
Hintergrund
Der Anlass fand im Rahmen des Projekts «Zentralschweizer Dialog Gymnasien – Hochschulen» statt, das auf Initiative der Bildungsdirektoren-Konferenz Zentralschweiz (BKZ) entstanden ist. Ziel des Projekts ist es, die Vernetzung und den fachlichen Austausch zwischen den Zentralschweizer Gymnasien und den Hochschulen langfristig zu stärken.
Text: Jake Hamilton, wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Dienststelle Gymnasialbildung im Kanton Luzern
